Was ist Nagelpilz?
Nagelpilz gilt in Industrienationen inzwischen als regelrechte «Volkskrankheit», von der auch zunehmend Kinder betroffen sind. Generell tritt die Erkrankung nach wie vor jedoch häufiger mit steigendem Alter, sowie eher bei Männern als bei Frauen auf. Medizinisch wird Nagelpilz auch als Onychomykose oder Tinea unguium bezeichnet*. Kennzeichnend sind beispielsweise eine Verdickung und Verfärbung des jeweils betroffenen Nagels**, wobei Zehennägel viel öfter infiziert sind als Fingernägel. Als häufigster Verursacher von Nagelpilz gilt ein bestimmter Dermatophyt (Fadenpilz) mit dem Namen Trichophyton rubrum. Bei der Onychomykose handelt es sich um eine chronische Pilzinfektion, die zu einer langsamen Zerstörung des jeweilig infizierten Nagels führt. Bleibt eine Behandlung aus, schreitet die Infektion weiter voran, denn «von allein» verschwindet diese nicht. Je länger also eine medizinische Behandlung herausgezögert wird, desto grösser ist das Risiko, dass nicht nur befallene Nägel komplett zerstört werden, sondern auch andere Nägel, sowie Hautareale vom gleichen Pilz infiziert und Mitmenschen angesteckt werden.
* Onychomykose: aus den griechischen Bezeichnungen onyx = Nagel und mykos = Pilz; Tinea unguium: aus dem Lateinischen tinea = Motte, Holzwurm und unguium = Nagel, Kralle
** medizinisch präzise ist die Bezeichnung «Nagelplatte»; nachfolgend wird allerdings weiterhin der umgangssprachlich synonym verwendete Ausdruck «Nagel» verwendet.
Symptome von Nagelpilz
Die Anzeichen von Nagelpilz reichen von einer leicht gelblichen Verfärbung bis hin zu einem vollständigen, krümeligen Zerfall des jeweils infizierten Nagels. Häufig zeigt sich als erstes Symptom von Nagelpilz eine gelbliche Verfärbung am rechten oder linken Rand des Nagels am grossen Zeh, der dort in der Folge dicker und rau wird. Mit der Zeit breitet sich die betroffene Fläche weiter über den Zehennagel aus. Die Nagelsubstanz wird mehr und mehr porös, schliesslich löst sich der Nagel langsam auf.
Unterschiedliche Formen und Verläufe von Nagelpilz
Infektionen mit einem Nagelpilz können unterschiedlich verlaufen: Am häufigsten dringt der Erreger am äusseren Nagelrand von unten in den Nagel ein und breitet sich in Richtung Nagelwurzel immer weiter aus. Dabei weicht der Fadenpilz die Nagelsubstanz der Unterseite auf, sodass es zu einer gelblichen Nagelverfärbung kommt. Eine hingegen weissliche Verfärbung resultiert aus der Besiedlung der obersten Schichten des Nagels durch einen anderen Erreger (Trichophyton interdigitale). Diese Form des Nagelpilzes tritt nur bei bereits vorgeschädigter Nageloberfläche auf. Bei der seltensten Form von Nagelpilz kommt es zu einem Eindringen des Pilzes in die Nagelsubstanz im Bereich der Nagelwurzel, also in der Region, wo der Nagel aus dem Finger herauswächst. Der Erreger wird in der Folge durch den wachsenden Nagel eingeschlossen, was die Behandlung erschwert. Die Infektion beginnt bei dieser Erkrankungsvariante demnach an der Nagelwurzel und kann sich Richtung äusseren Nagelrand über den ganzen Nagel ausbreiten.
Wie entsteht Nagelpilz?
Das häufig feuchte und warme Mikroklima in geschlossenen Schuhen bietet krankheitserregenden Pilzen günstige Wachstumsbedingungen, während hingegen die Hände gewöhnlich einer freien Luftzirkulation ausgesetzt sind. Dies erklärt, warum Fussnägel deutlich häufiger von einer Pilzinfektion betroffen sind als Fingernägel. Verursacher des Krankheitsbildes Nagelpilz ist zumeist ein mikroskopisch kleiner, sogenannter Fadenpilz: Laut einer Schweizer Untersuchung ist hierzulande in 99 % der Fälle von Nagelpilz respektive Fusspilz Trichophyton rubrum oder Trichophyton interdigitale für die Infektion verantwortlich. Diese krankheitserregenden Dermatophyten sind in der Lage, Keratin abzubauen und als Nahrung zu verwerten. Da dieses Protein den Hauptbestandteil unserer Nägel darstellt, können sich hier die Dermatophyten ausbreiten. Im ersten Schritt nutzen die Krankheitserreger kleine Beschädigungen des jeweiligen Nagels, um sich anzuheften. Dem Pilz reichen hierfür kleinste, unterschwellige Nagelverletzungen oder aufgequollene Nägel. Einmal festgesetzt, bilden die Fadenpilze ihre namensgebenden, feinen Fäden aus und sondern spezielle Enzyme ab. Beides hilft ihnen, den keratinreichen Nagel zu durchwachsen und das Keratin mit der Zeit abzubauen. So entstehen auf Dauer die sichtbaren Veränderungen der Nagelsubstanz. Bei Ausbleiben einer Behandlung kann eine Ausdehnung der Infektion auf andere Nägel erfolgen und ein fortschreitender Nagelpilz der Zehennägel begünstigt überdies die Entstehung von Fusspilz.
Risikofaktoren für eine Ansteckung
Als Risikofaktoren, an Nagelpilz zu erkranken, gelten unter anderem:
Z. B. öffentliche Schwimmbäder, Saunen, Umkleideräume, Fitnessstudios, Böden in Hotelzimmern.
Z. B. aufgrund eines Diabetes oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
Z. B. bei AIDS oder aufgrund bestimmter Medikamente
Z. B. bei AIDS oder aufgrund bestimmter Medikamente
Da häufig mit den Füssen auch die Nägel hohen Druckbelastungen ausgesetzt sind, kann dies zu Schädigungen der Fussnägel führen. Zudem entsteht bei Sport mehr Fussschweiss.
Wie wird Nagelpilz behandelt?
Da Nagelpilz nicht spontan abheilt und eine weitere Ausbreitung des Pilzbefalls bei den Betroffenen verursachen kann (z.B. Infektionen von Hautarealen), sollte möglichst eine Behandlung dieser Erkrankung erfolgen. Als erste Anlaufstelle bietet sich die Hausarztpraxis an, gegebenenfalls kann eine Überweisung zur Hautärztin oder zum Hautarzt sinnvoll sein. Bei leichter oder mässiger Ausprägung des Nagelpilzes – und sofern nicht die Nagelwurzel befallen ist – erfolgt die Behandlung lokal mit speziellen Nagellacken. Diese Lacke enthalten gegen Pilze gerichtete Wirkstoffe: Die sogenannten Antimykotika töten Hautpilze ab oder hemmen zumindest deren Wachstum und Vermehrung. Um die antimykotische Behandlung zu unterstützen und effektiver zu gestalten, kann die vorhergehende (begleitende) Entfernung von infiziertem Nagelmaterial sinnvoll sein. Eine chirurgische Entfernung ganzer Nägel gilt inzwischen als veraltet und sollte nicht durchgeführt werden. Stattdessen wird – in den Fällen, wo der Nagel gegebenenfalls unterstützend entfernt wird – mittels einer täglich aufgetragenen, Harnstoff-haltigen Salbe der infizierte Teil des Nagels innert ein bis drei Wochen weitgehend aufgelöst und sollte schmerzfrei von einer medizinischen Fachkraft mechanisch abgetragen werden. Die darunterliegende Haut wird im Anschluss für einige Wochen mit einem antimykotischen Mittel (Creme oder Lack) behandelt.
Bei mittelschwerem oder schwerem Nagelpilz-Befall, sowie bei Infektion des Nagelbettes, kann zusätzlich die ärztlich verordnete, orale Einnahme von Antimykotika in Form von Kapseln oder Tabletten (systemische Behandlung) zielführend sein. Die Kombination aus lokaler und systemischer antimykotischer Therapie führt zu einer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung. Die Behandlung von Nagelpilz erfordert von den Betroffenen Geduld. Dies liegt daran, dass eine Pilzinfektion erst dann als geheilt gilt, wenn diese aus dem Nagel „herausgewachsen“ ist. Insbesondere bei Pilzbefall der Zehennägel kann die Behandlungsdauer etwas länger ausfallen als bei Infektion der Fingernägel, da erstere langsamer wachsen. Betroffene sollten mit einer Behandlungsdauer von mehreren Monaten bis über einem Jahr rechnen.
Ansteckung vermeiden – ein paar Tipps:
- Füsse nach dem Duschen, Baden oder Schwimmen gründlich abtrocknen
- Jeden Tag frische Socken respektive Strümpfe anziehen
- Nicht zu enge Schuhe tragen und luftiges oder atmungsaktives Schuhwerk bevorzugen; nach dem Arbeitstag die Schuhe zu Hause gleich ausziehen.
- Schuhe wechseln: das gleiche Paar Schuhe nicht zwei Tage in Folge tragen. Falls dies nicht möglich ist, die Schuhe gut auslüften lassen.
- In öffentlichen Schwimmbädern, Saunen oder in Hotelzimmern nicht barfuss gehen.
- Gebrauchte Handtücher sollten mindestens einmal pro Woche und zwar bei mindestens 60°C gewaschen werden.
- Handtücher, Socken oder Schuhe nicht mit anderen Personen teilen
- Nagelverletzungen vorbeugen: gutsitzende Schuhe und angepasste Socken können helfen, die Druckbelastung der Zehennägel beim Wandern oder Joggen etc. zu verringern.
Nach überstandener Nagelpilz-Infektion: Zur Vermeidung einer erneuten Ansteckung empfiehlt es sich, Socken, Bettwäsche und Handtücher bei mindestens 60°C zu waschen. Spezielle Waschzusätze sorgen bereits bei niedrigeren Waschtemperaturen für ein Abtöten der Pilzerreger.
CH–07-25-2500001