Was bedeutet Vaginalmykose?
Pilzinfektionen der Scheide (Vagina) sind weit verbreitet: Geschätzt drei von vier Frauen erkranken daran mindestens einmal im Leben. Die Infektion ist nicht zwangsläufig auf die Vagina beschränkt, sondern überdies können sich auch die Schamlippen und der Bereich um den Scheideneingang entzünden. Typische Symptome sind Juckreiz und ein Brennen im Intimbereich. Verursacht wird die Erkrankung durch mikroskopisch kleine Pilze, mehrheitlich Candida albicans. Pilzinfektionen werden fachsprachlich als Mykosen bezeichnet, was den hier verwendeten Krankheitsnamen «Vaginalmykose» erklärt. Es handelt sich hierbei nicht um eine Geschlechtskrankheit und auch nicht um die Folge mangelnder Hygiene. Eine Vaginalmykose heilt nicht von allein, sondern bedarf immer einer Behandlung. In den meisten Fällen ist eine lokale Therapie ausreichend.
Symptome einer Vaginalmykose
Erste Anzeichen von Vaginalmykose sind ein Brennen und Juckreiz der Vagina, sowie des äusseren Genitalbereichs, beispielsweise der Schamlippen. Dieselben Stellen können zudem leicht geschwollen und gerötet sein. Ein weiteres Symptom ist die vaginale Absonderung eines weisslich-gelben, krümeligen Belags, der geronnener Milch oder trockenem Quark ähnelt. Zudem kann das Urinieren mit Schmerzen verbunden sein.
Wie entsteht eine Vaginalmykose?
Verursacht wird Vaginalmykose durch Hefepilze, wobei in den meisten Fällen (75 bis 80 %) mit Candida albicans ein ganz bestimmter Hefepilz verantwortlich ist. Normalerweise sind eine geringe Anzahl Hefepilze, wie eben Candida albicans, in der Vagina vorhanden, ohne dass diese Krankheitssymptome auslösen. Daneben besiedeln zahlreiche andere Mikroorganismen – hauptsächlich Bakterien – natürlicherweise die Schleimhaut der Vagina und bilden gemeinsam die sogenannte «Vaginalflora», die mit einer ausgewogenen Wohngemeinschaft vergleichbar ist. Zu einer gesunden Vaginalflora gehören Milchsäurebakterien, denen eine besondere Funktion zukommt. Denn diese Bakterien geben – wie ihr Name andeutet – unter anderem Milchsäure ab und sorgen damit für ein saures Milieu (pH 3,5 bis 4,5). Dieses saure Scheidenmilieu ist der wichtigste Schutzmechanismus gegenüber einer Vaginalmykose: Es hemmt das Wachstum von Mikroorganismen, die in der Lage sind, Krankheiten auszulösen. Unter bestimmten Bedingungen kann die Balance der Vaginalflora jedoch gestört werden. So kann sich der Hefepilz Candida albicans übermässig vermehren, was die für Vaginalmykosen typischen Entzündungsreaktionen hervorruft.
Risikofaktoren für die Entstehung von Vaginalmykosen
Vaginalmykosen können dann auftreten, wenn das natürliche Gleichgewicht der Vaginalflora gestört ist und sich im Zuge dessen potenziell krankheitserregende Pilze (vor allem Candida albicans) übermässig vermehren. Nachfolgend sind beispielhaft Risikofaktoren für eine solche Störung aufgeführt:
Ein geschwächtes Immunsystem begünstigt die Vermehrung von Pilzen: Eine Schwächung des Immunsystems kann durch Stress, akute und chronische Erkrankungen (z.B. grippaler Infekt, Diabetes) oder Medikamente mit immunsuppressiver Wirkung (z.B. Kortisol) hervorgerufen werden.
Behandlung mit Antibiotika: Unbestritten sind Antibiotika medizinisch wertvolle Wirkstoffe zur Therapie bakterieller Infektionen. Allerdings können als unerwünschte Begleiterscheinung auch die nützlichen Milchsäurebakterien in der Vagina dezimiert werden. Dies wiederum nutzt den Hefepilzen, die sich infolgedessen übermässig vermehren.
In der Schwangerschaft, bei Einnahme oraler Kontrazeptiva („Antibabypille“) oder unter Hormonersatztherapie verstärkt sich der Einfluss des Sexualhormons Östrogen. Hierdurch können sich die Lebensbedingungen für die Hefepilze in der Vagina verbessern, sodass diese sich dort vermehrt ausbreiten. Der sinkende Östrogenspiegel während der Wechseljahre führt zu einem Rückgang der Milchsäurebakterien und damit zu einem weniger sauren Scheidenmilieu. Dies hat ebenfalls eine Vermehrung der Hefepilze zur Folge.
Alkalische (basische) Seifen oder Intimsprays beeinträchtigen das schützende saure Scheidenmilieu, sodass sich Hefepilze nun stärker vermehren können.
Enge oder synthetische Kleidung können ein besonders feucht-warmes Mikroklima im Intimbereich verursachen, was die Vermehrung von Hefepilzen begünstigt.
Wie werden Vaginalmykosen behandelt?
In den meisten Fällen ist die lokale Anwendung eines medizinischen Präparates mit einem Wirkstoff gegen Pilze ausreichend. Die geeigneten Wirkstoffe gehören zur Gruppe der Antimykotika und töten die Hautpilze ab oder hemmen zumindest deren Wachstum und Vermehrung. Das jeweilige Medikament wird als Zäpfchen oder als Creme mittels eines Applikators in die Vagina eingeführt. Die Behandlungsdauer fällt mit ein bis sechs Tagen relativ kurz aus. Sofern es sich um eine unkomplizierte Vaginalmykose handelt, können Betroffene die Therapie eigenständig – also ohne ärztliche Betreuung – mithilfe apothekenpflichtiger Medikamente durchführen. Anders stellt sich die Situation dar, sofern die Beschwerden sehr ausgeprägt sind, die Infektion häufig wiederkehrt oder wenn Komplikationen zu erwarten sind (z.B. bei einer Immunschwäche). In derartigen Fällen ist ein Arztbesuch ratsam.
Während der Schwangerschaft Vaginalmykosen unbedingt behandeln
Die Schwangerschaft stellt aufgrund der damit verbundenen Veränderungen des Hormonhaushalts grundsätzlich einen Risikofaktor für das Auftreten von Vaginalmykose dar. Allerdings kann die Infektion mit untypischen Symptomen verbunden sein oder durch andere Körpersignale überdeckt und somit nicht erkannt werden. Aber gerade während der Schwangerschaft sollte eine Vaginalmykose – selbst bei beschwerdefreiem Verlauf – erfolgreich behandelt werden. Eine erfolgreiche Behandlung soll die Übertragung der Hefepilze auf das Neugeborene verhindern. Ohne Therapie der mütterlichen Vaginalmykose entwickeln 90 % der Neugeborenen während des ersten Lebensjahrs Pilzinfektionen in der Mundhöhle oder im Windelbereich (Mundsoor respektive Windeldermatitis).
Vaginalmykose vermeiden – ein paar Tipps
- Intimhygiene: Den Genitalbereich am besten unter fliessendem Wasser – also unter der Dusche – mit der Hand (ohne Waschlappen) waschen. Hierbei möglichst sanfte, pH-neutrale Waschprodukte anwenden.
- Auf Intimsprays und Intimlotionen verzichten
- Verwendung von Binden oder Slipeinlagen, die keine Kunststoffbeschichtung aufweisen
- Im Schritt eng sitzende oder scheuernder, sowie synthetische Wäsche sollte vermieden werden. Stattdessen locker sitzender, atmungsaktiver Kleidung (z.B. aus Baumwolle) den Vorzug geben.
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