Infantile Hämangiome

Blutschwämmchen oder Erdbeerfleck – Infantile Hämangiome

Durch seine oft kräftige Rotfärbung wird das Hämangiom auch als Erdbeerfleck oder Blutschwämmchen bezeichnet. Unter diesem Namen ist die Erkrankung auch deutlich geläufiger als unter ihrem medizinischen Fachbegriff, der sich aus dem Altgriechischen ableitet. Unter einem infantilen Hämangiom versteht man ein gutartiges, oft schnell wachsendes Geschwulst bei Säuglingen und Kleinkindern. Es handelt sich um einen Tumor der Blutgefässe, dessen Ursache nach wie vor nicht geklärt ist. Der Krankheitsverlauf ist zwar überwiegend unproblematisch, dennoch sollte zeitnah ein Arzt für eine frühe Diagnose aufgesucht werden.
Auf dieser Seite erfahren Sie alles zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten und erhalten weiterführende Informationen zu infantilen Hämangiomen.

Was ist ein infantiles Hämangiom?

Hämangiome bestehen aus zusätzlichen Blutgefässen und treten vor allem im Bereich der Haut und Schleimhaut auf. Typischerweise entwickeln sich infantile Hämangiome erst einige Tage oder Wochen nach der Geburt. Bei Kindern sind solche Hämangiome (= infantile Hämangiome) relativ häufig – bis zu 10 % aller Kleinkinder sind davon betroffen. Von diesen wiederum müssen 4 von 5 Kinder nicht behandelt werden, da diese Hämangiome in der Regel harmlos sind und sich von ganz allein zurückbilden. Bei 12% der infantilen Hämangiome ist jedoch die Überweisung zu einem Spezialisten notwendig, z.B. wenn eine Beeinträchtigung des Sehvermögens oder der Blockierung der Atemwege vorliegt. Hierzu stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen das Blutschwämmchen behandelt werden kann.

Wie häufig und an welcher Körperstelle treten die Blutschwämmchen bei Kindern auf?

Bis zu 10% aller Säuglinge sind von Blutschwämmchen betroffen, Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1kg noch häufiger. Damit ist das infantile Hämangiom der häufigste Tumor bei Kleinkindern. Dabei ist festzuhalten, dass Mädchen weitaus häufiger betroffen sind als Jungen. Etwa 60 % der Hämangiome befinden sich an Kopf und Hals. Weiterhin treten die Geschwüre zudem an der Leber und an der Brust auf.

Wann entsteht ein infantiles Hämangiom?

Echte infantile Hämangiome sind bei der Geburt in der Regel nicht vorhanden und erscheinen frühestens einige Tage, meistens erst Wochen nach der Geburt. Vorläuferstadien können bereits bei der Geburt erkennbar sein, werden aber häufig übersehen oder anderen Ursachen (Geburtsmale) zugeschrieben. Hämangiome wachsen in den ersten 8 Lebenswochen am schnellsten. Nach 3 Monaten sind in der Regel 80% der Endgrösse erreicht.

Wie ist der Verlauf der Erkrankung bei Kleinkindern?

Hämangiome durchlaufen drei Phasen:

  • Wachstumsphase: Hämangiome wachsen während der ersten 8 Lebenswochen am schnellsten. Anschliessend verlangsamt sich das Wachstum, das sich über 6-9 Monate erstrecken kann.
  • Stillstand (unterschiedliche Dauer)
  • Rückbildung

Verlaufsschema-IH-DE

Welche Komplikationen können bei Blutschwämmchen auftreten?

Besonders im Gesicht können Hämangiome Probleme verursachen, in dem sie wichtige Funktionen einschränken. Tatsächlich erfordern 12 % der infantilen Hämangiome eine Behandlung, die dann so früh wie möglich begonnen werden muss, da sonst massive Probleme drohen.
Zudem müssen nach der Rückbildungsphase gegebenenfalls Überreste von Hämangiomen an Lippen und/oder Nase operativ nachbehandelt werden.

Häufige Fragen zum Thema infantiles Hämangiom

Häufig sehen sich Eltern von erkrankten Kindern vor die gleichen Fragen in Bezug auf die Krankheit gestellt. Im Folgenden bieten wir Ihnen Antworten zu häufig gestellten Fragen rund um das Thema Blutschwämmchen.

Woher kommt ein infantiles Hämangiom?

Die Ursache der infantilen Hämangiome ist unbekannt. Einige Risikofaktoren der Blutschwämmchen sind jedoch bekannt:

  • heller Hauttyp
  • geringes Geburtsgewicht
  • weibliches Geschlecht
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Frühgeburten

Woran erkennt man ein infantiles Hämangiom?

Die Diagnose, ob es sich um ein infantiles Hämangiom oder eine andere Hautveränderung handelt, kann nur der Arzt stellen. Auf ein Hämangiom deutet eine Entstehung des Tumors erst nach der Geburt und ein schnelles Wachstum im weiteren Verlauf hin. Auch wenn sich die betroffene Stelle warm anfühlt, kann das auf ein infantiles Hämangiom hinweisen.

Wann muss ein Kind behandelt werden?

Ob ein infantiles Hämangiom behandlungsbedürftig ist, entscheidet der Arzt von Fall zu Fall. Eine Behandlung wird aber in jedem Fall notwendig bei:

  • Lebensbedrohlichen Komplikationen
  • Nicht einzudämmender Geschwürbildung
  • Funktionsbeeinträchtigungen (z.B. Einschränkung des Blickfeldes, Beeinträchtigung der Atmung und vieles andere mehr)
  • Gefahr einer dauerhaften Entstellung

Liegt einer oder mehrere der genannten Umstände vor, muss die Behandlung so früh wie möglich begonnen werden, da ein infantiles Hämangiom sehr schnell wächst. Weiterführende Informationen finden Sie im Abschnitt zum Thema Behandlung eines Blutschwämmchens.

Tipp: Machen Sie regelmässig Fotos zur besseren Einschätzung des tatsächlichen Wachstums.

Bildet sich ein infantiles Hämangiom vollständig zurück?

Es hängt von der Grösse, Lage und Art des Hämangioms ab, ob keinerlei sichtbare Reste zurückbleiben werden. Falls keine Behandlung erfolgt, hinterlassen bis zu 69 % der infantilen Hämangiome bleibende Hautveränderungen.

Ob ein behandlungsbedürftiges Hämangiom vorliegt und ob das Blutschwämmchen entfernt werden soll, muss ein Spezialist entscheiden.

Hat mein Kind Schmerzen durch das Hämangiom?

Kleine Hämangiome sind in der Regel schmerzfrei. Handelt es sich um grosse, extrem schnell wachsende Hämangiome, die möglicherweise in die Tiefe gehen, können sie Schmerzen verursachen. Besonders wenn Hämangiome z.B. in Hautfalten liegen, besteht ein Risiko für schmerzende Geschwüre, bakterielle Infektionen und/oder Blutungen.

Wo kann mein Kind behandelt werden?

Eine Liste mit Spezialisten für die Behandlung von Blutschwämmchen in Ihrer Nähe finden Sie in unserer Aufzählung für Anlaufstellen für infantile Hämangiome.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die passende Therapie kann nur durch einen Arzt individuell für jedes Kind bestimmt werden. Einen Überblick über die derzeit zur Verfügung stehenden Methoden finden Sie in unserem Abschnitt zur Behandlung von Blutschwämmchen.

Diagnose infantile Hämangiome

Auch wenn die Blutschwämmchen zumeist harmlos sind und in vielen Fällen sich von selbst zurückbilden, ist dennoch Vorsicht geboten. Insbesondere ästhetische Einschränkungen und in einigen Fällen gesundheitliche Komplikationen machen ein rasches Handeln dennoch notwendig. Eine möglichst schnelle Diagnose ist dabei essenziell, da ein früher Therapiebeginn enorm wichtig ist für eine problemlosere Abheilung.
Dabei muss festgehalten werden, dass bei Kleinkindern auch andere Erkrankungen rote Flecken im Gesicht und am Körper auslösen können. Auch werden teilweise gerötete Muttermale mit einem Hämangiom verwechselt. Umso wichtiger ist es, zeitnah einen Arzt aufzusuchen!

Wie werden infantile Hämangiome zweifelsfrei erkannt?

Bei der überwiegenden Zahl der betroffenen Kinder verlaufen die drei Entwicklungsphasen der Hämangiome (Wachstum, Stillstand und Rückbildung) ohne Komplikationen. Die Entscheidung, ob eine Behandlung eines Blutschwämmchens notwendig ist, muss ein Spezialist fällen. Dazu muss der Arzt eindeutig bestimmen, ob es sich um ein Hämangiom handelt oder um eine andere Art der Hautveränderung (sogenannte „vaskuläre Malformationen“).

Dabei helfen die drei folgenden Fragen:

  • War die Veränderung bei Geburt vorhanden? Falls nein: Hinweis auf Hämangiom.
    Ansonsten wäre es vielmehr ein Hinweis auf eine Gefässfehlbildung.
  • Wurde die Veränderung im Verlauf grösser?* Falls ja: Hinweis auf Hämangiom
  • Fühlt sich die Stelle warm an? Falls ja: Hinweis auf Hämangiom

*Regelmässiges Fotografieren des betroffenen Körperteils, am besten mit einem Vergleichsgegenstand (z.B. einem Lineal) und regelmässiges Abmessen, eignen sich sehr gut, um ein Wachstum zu dokumentieren. Falls es sich um ein Hämangiom handelt, wird der Arzt zusätzlich ermitteln, in welcher der drei Entwicklungsphasen es sich befindet. Weist das Ergebnis seiner Untersuchung und der Befragung auf ein unkompliziertes Hämangiom hin, werden keine weiteren Untersuchungen nötig. Ausgehend von den jeweiligen Entwicklungsphasen der Hautveränderung und der Grösse des Hämangioms, kann der Arzt umgehend die notwendigen Massnahmen einleiten.

Ultraschalluntersuchung bei grossen Hämangiomen

Bei grösseren und überproportional schnell wachsenden Hämangiomen kann durch Ultraschall die genaue Ausdehnung (vor allem in die Tiefe) bestimmt werden und die Beeinträchtigung benachbarter Organe untersucht werden. Nur bei nicht eindeutigen Befunden oder bei Verdacht auf Beteiligung lebenswichtiger Organe werden weiterführende Massnahmen, z.B. ein MRT notwendig (= Magnetresonanztomografie; ein Verfahren zur bildlichen Darstellung von Geweben und Organen, häufig auch Kernspintomografie oder einfach Kernspin genannt).

In seltenen Fällen kann zudem eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme erfolgen. Eine histologische Untersuchung kann im Anschluss zweifelsfrei einen bösartigen Tumor ausschliessen. Zumeist ist dies, aufgrund der bereits erfolgten Diagnose, nicht mehr notwendig.

Therapiemöglichkeiten für problematische Hämangiome

Nur etwa jedes zehnte infantile Hämangiom muss behandelt werden. In den anderen Fällen ist die Rückbildung bis zum neunten Lebensjahr abgeschlossen. Dennoch sollte auch in diesen Fällen darauf geachtet werden, dass keine ästhetischen oder funktionellen Einschränkungen vorhanden bleiben. Gegebenenfalls kann ein kleiner chirurgischer Eingriff notwendig werden.
In Problemzonen allerdings kann es zu Komplikationen wie Funktionsverlust oder Geschwürbildung kommen, so dass eine Behandlung so früh wie möglich begonnen werden sollte (Problemzonen sind z.B. Gesicht, Anal- oder Genitalbereich, Hautfalten wie Achselhöhle oder Hals). Vor allem bei Hämangiomen im Bereich der Augen, Lippen und Nase besteht rascher Handlungsbedarf.

Welche Medikamente werden zur Behandlung von Blutschwämmchen verwendet?

Beta-Blocker stellen eine Behandlungsmöglichkeit dar, die rasch wachsende Hämangiome schrumpfen und verblassen lässt. Die Behandlung hat ein sehr gutes Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil und wird vom Experten eingeleitet. Vereinfacht gesagt, stoppt der Betablocker die Wachstumsphase des Blutschwamms und leitet die Phase der Rückbildung sofort ein. Dabei setzt die erste Wirkung bereits zumeist nach wenigen Stunden ein. Das Hämangiom wird etwas weicher und die Durchblutung nimmt ab.  In Folge bildet es sich nach und nach zurück. Das Verabreichen von Beta-Blockern gilt mittlerweile als Standard-Verfahren im Bereich der Behandlung von infantilen Hämangiomen. 
Nicht zuletzt hohe Erfolgsquoten, geringe Nebenwirkungen und die unkomplizierte Verabreichung bei Kleinkindern, Beta-Blocker können oral eingenommen werden, sprechen für eine medikamentöse Behandlung.

Welche weiteren Heilverfahren werden eingesetzt?

Wie bereits verdeutlicht, stellen Beta-Blocker die Erstlinientherapie bei der Behandlung von Blutschwämmchen dar. Doch bei schwereren Krankheitsverläufen, etwa wenn die Funktion von Organen bedroht ist, oder bei ästhetischen Einschränkungen, können weitere Heilverfahren zum Einsatz kommen (z.B. Lasertherapie, Operation oder Kryotherapie).

Welche Möglichkeiten zur Nachbehandlung gibt es?

Nach der Therapie können je nach Lage verbliebene Rückstände, Narben oder starke Pigmentierungen operativ oder mit Laser behandelt werden. Es wird empfohlen, dies vor der Einschulung durchzuführen. Welche Methode sich am besten eignet, ist von Fall zu Fall verschieden. Mehr erfahren Sie bei einem Experten in Ihrer Nähe.

Anlaufstellen und weiterführende Informationen zu infantilen Hämangiomen

Sie sind sich unsicher, ob es sich bei den roten Flecken am Körper Ihres Kindes lediglich um einen Ausschlag oder doch um ein infantiles Hämangiom handelt?
Wie bereits erwähnt, verläuft eine Erkrankung mit infantilen Hämangiomen zumeist unproblematisch. Dennoch sind eine frühe Diagnose und eine passende Behandlung von enormer Bedeutung, um Komplikationen und ästhetische Einschränkungen zu vermeiden. Lassen Sie sich von einem der zahlreichen Experten in der Schweiz zum Thema infantile Hämangiome beraten.

Beratungsstellen für infantile Hämangiome

Finden Sie hier die richtige Anlaufstelle, für einen Experten für infantile Hämangiome in Ihrer Nähe:

Institut ↑↓ PLZ ↑↓ Ort ↑↓
Hôpital de l’Enfance Lausanne – CHUV 1004 Lausanne
Hôpitaux universitaires de Genève 1205 Genève
Inselspital 3007 Bern
Universitäts-Kinderspital beider Basel 4056 Basel
Kantonsspital Aarau 5001 Aarau
Kinderspital Zürich 8032 Zürich
Ostschweizer Kinderspital 9006 St. Gallen

Bitte stimmen Sie zur Nutzung der Datenübertragung an Dritte gemäss unserer Datenschutzerklärung zu.

Videos und Dokumente zum Thema infantile Hämangiome

Gerne stellen wir Ihnen zusätzliche Dokumente und anschauliche Videos rund um das Thema infantile Hämangiome zur Verfügung.

Patiententagebuch zur Behandlung Ihres Kindes mit infantilem Hämangiom

Gerne bieten wir Ihnen hier unser Patiententagebuch zum Download an.
Es hilft Ihnen dabei, die Behandlung Ihres Kindes zu erleichtern und fasst alle wichtigen Informationen zusammen. Zudem erhalten Sie Tipps und Hinweise zur optimalen Verabreichung der Medikamente.

Informationsvideo zu infantilen Hämangiomen

Dr. Lisa Weibel erläutert in ihrem Video den Unterschied zwischen infantilen Hämangiomen und anderen Erkrankungen. Zudem erhalten Sie in diesem Video wichtige Informationen rund um die Erkrankung und mögliche Behandlungsarten.

Leitfaden für Angehörige und Betreuer/Pflegepersonen

Dieser Leitfaden richtet sich an Angehörige von Kindern, denen das Produkt Hemangiol® bereits von einem Arzt verschrieben wurde. Er dient als Ergänzung zur Packungsbeilage und zu den Anweisungen des Arztes. Er ersetzt nicht das aufmerksame Lesen der Packungsbeilage. Laden Sie den Leitfaden hier herunter!

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